Vision

Im Folgenden seht Ihr, was herauskommt, wenn man uns mal richtig „spinnen“ lässt und wir unserer Fantasie in basisdemokratischen Bahnen freien Lauf lassen. Was die folgende Vision vom 20. August 2016 betrifft, kann man nur Winston Churchill zitieren: „Das ist nicht das Ende, das ist noch nicht einmal der Anfang vom Ende – aber vielleicht ist es das Ende vom Anfang!“ Der Fantasie sind also weiterhin keine Grenzen gesetzt…

Inhalt

Land – Lage, Ort, Größe, Zustand…

Der Acker sollte auf dem Stadtgebiet Wiesbaden liegen, mindestens 1,5 Hektar (ha) groß sein und einen guten Anschluss durch öffentliche Verkehrsmittel aufweisen. Darüber hinaus sollte ein Wasser- und Stromanschluss vorhanden sein. Das Land kann auch in Zusammenarbeit mit einem bestehenden Hof bewirtschaftet werden, sodass uns der Gärtner/Landwirt ein Leistungspaket aus Pacht und Bewirtschaftung anbieten kann.

Ein brachliegendes oder vorher biologisch bewirtschaftetes Stück Land wären zu bevorzugen, bei vorheriger konventioneller Nutzung müssten vorher Bodenproben entnommen werden. Hierfür wäre im Vorhinein festzusetzen, welche Grenzwerte man bereit ist zu akzeptieren.

Falls möglich, sollte eine Obstwiese in unmittelbarer Nähe sein. Die kleineren Geräte sollten vor Ort gelagert werden können, wozu ein entsprechender Schuppen notwendig wäre. Vorzuziehen wäre allerdings ein Gebäude, dass auch als Treffpunkt für die Mitglieder der SoLawi dienen könnte.

Zusätzlich wären Lagermöglichkeiten auf dem Acker oder in seiner unmittelbaren Nähe wünschenswert, d.h. ein Kühlhaus und/oder ein Erdkeller.

Zu errichten wären auch ein Gewächshaus oder ein Folientunnel.

Zubehör – Geräte, Pflanzgut, Saatgut…

Das Saatgut für unsere Felder sollte komplett aus Bioanbau kommen, anzustreben wäre längerfristig, das Saatgut selbst zu züchten. Bereits gezüchtete Jungpflanzen (Pflanzgut) sollten ausschließlich von Biogärtnereien bezogen werden oder aus der Selbstanzucht kommen.

Gerätschaften zum Haltbarmachen bzw. weiteren Verarbeiten von Obst und Gemüse sollten auf dem Grund vorhanden sein. Für die Verteilung der Ernteanteile müssten Kisten, Beutel und Flaschen angeschafft werden. Um den Rücklauf von ausgeliehenen Gegenständen bis hin zu Werkzeugen und Geräten zu gewährleisten, wäre ein Pfandsystem nützlich.

Des Weiteren wäre eine langsam fahrende Sämaschine, eigene Fahrräder auf dem Grundstück und die Herstellung eines Fahrrad-Traktors denkbar.

Auslieferung – Verteilung, Lagermöglichkeiten…

Die Verteilung sollte entweder über einen großen Verteilpunkt in Wiesbaden oder über 4 bis 5 Verteilpunkte verteilt auf das Wiesbadener Stadtgebiet abgewickelt werden. Als Depots oder Verteilstationen wären Garagen, Kellerräume oder Lagerschuppen denkbar, zur Kistenbefüllung würde auch ein Carport ausreichen.

Eine Weiterverteilung von dort aus mit Lastenfahrrädern wäre denkbar, ebenso eine Selbstabholung durch die Mitglieder. Jedes Mitglied erhält den Ernteanteil in gleicher Form, Aversionen oder Allergien gegen bestimmte Lebensmittel können erst bei der Verteilung berücksichtigt werden. Um den bürokratischen Aufwand so gering wie möglich zu halten, wäre ein Abgeben oder Tausch in Eigenregie zu bevorzugen. Die Koordination der Verteilung übernehmen vorher bestimmte Mitglieder selbstständig, wobei auf klare Zuständigkeiten geachtet werden sollte.

Finanzen – Voraussetzungen, Etatplan…

Im Rahmen der Arbeit des Vereins ist die Kenntnis der notwendigen Finanzmittel von elementarer Bedeutung, weswegen immer ein Finanzplan in Verbindung mit der Zahl der Ernteanteile und mit dem Anbauplan erstellt werden sollte, dessen Einhaltung von der oder dem Verantwortlichen streng kontrolliert werden sollte. Hierfür sind klare Zuständigkeiten bei der Finanzbuchhaltung notwendig, ebenso eine klare Definition des Ernteanteils.

Die Mitglieder sollten regelmäßig über die finanzielle Situation des Vereins auf dem Laufenden gehalten werden, gleichzeitig ist ein offener Umgang mit Schwierigkeiten aller Art zu wünschen. Eine gute Zahlungsmoral der Mitglieder vermindert Stress und Unbehagen auf allen Seiten.

Um die Kasse des Vereins aufzubessern, wäre ein Vermarkten von Ernteüberschüssen sowie von Produkten wie Honig denkbar.

Vereinsstruktur

Für die Arbeit im Verein sind klare Vereinsstrukturen und eine eindeutige Aufgabenverteilung essentiell, die in klare Entscheidungsstrukturen münden. Die Entscheidungen selbst sollten, genauso wie die Ziele, schriftlich fixiert werden, um Missverständnisse zu vermeiden. Die Arbeit sollte möglichst gleichmäßig auf die Schultern der Mitglieder verteilt werden.

Schon der erste Solawist in den USA, der berühmte Elvis Pressluft, textete in Bezug auf die Arbeit in der solidarischen Landwirtschaft: „A little less conversation, a little more action please…“, womit wohl die Entwicklung einer klaren Kommunikationsstruktur besungen wird, die auch beim Apfelkomplott noch ansteht.

Anzustreben sind auch eine Vernetzung mit bzw. die Mitgliedschaft und Mitarbeit in den in Frage kommenden Vereinen und Gruppen sowie dem Verein Solidarische Landwirtschaft e.V., der eine Art bundesweites Netzwerk für SoLawis bildet.

Ebenfalls nützlich könnten regelmäßige Treffen aller Arbeitsgemeinschaften sein.

Mitglieder – Voraussetzungen, Arbeitseinsatz…

Generell wäre eine Atmosphäre beim Umgang der Mitglieder miteinander wünschenswert, die von Humor, Konsensfähigkeit, Toleranz und Geselligkeit, d.h. der Freude an gemeinsamen Aktivitäten, gekennzeichnet ist. Darüber hinaus sollte die Bereitschaft bestehen, maximal 80 Stunden pro Jahr im Verein, d.h. in der Verwaltung, auf dem Acker oder bei der Verteilung, mitzuhelfen.

Die Tätigkeit(en) für den Verein sollte(n) motivieren und den psychischen und physischen Möglichkeiten des Vereinsmitglieds entsprechen.

Angestellte(r) – Qualifikationen, Vertrag…

Die Angestellten des Vereins Apfelkomplott e.V. sollten im Rahmen eines solidarischen Miteinanders von der Gemeinschaft eine faire Arbeitsbedingungen und vor allem eine faire Bezahlung erhalten. Die Einrichtung eines Arbeitszeitkontos, um Mehrarbeit während der Pflanz- und Ernteperiode im Winter ausgleichen zu können, sind ebenfalls notwendig. Die genaue Arbeitseinteilung sollte dann selbstständig erfolgen.

Notwendig wären langjährige Kenntnis im biologischen Nahrungsmittelanbau und die Fähigkeit, selbstständig einen Anbauplan zu erstellen und den finanziellen Bedarf für die Pflanzung daraus zu ermitteln. Daher wären auch Kenntnisse in Betriebskalkulation wünschenswert.

Des Weiteren muss der Anbau immer wieder mit dem Aktivenkreis des Vereins besprochen werden, wofür eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit unverzichtbar ist. Eine Begeisterung für die Philosophie der solidarischen Landwirtschaft wäre genauso wünschenswert, wie eine gewisse Fähigkeit, die Mitglieder des Vereins bei einfachen Hilfstätigkeiten anzulernen und sie beim Lernen zu motivieren.

Öffentlichkeitsarbeit

An den bereits vorhandenen Mitteln, die Bekanntheit des Vereins und seiner Ziele zu erhöhen, wurden vor allem die Homepage, die Teilnahme an Veranstaltungen und das Drucken von Visitenkarten für nützlich befunden. Des Weiteren wurden werbewirksame Presseauftritte und Mitmachaktionen angeregt.

Die Schaffung eines Info-Cafés wurde als sehr guter Vorschlag eingestuft, der uns die Möglichkeit gäbe, öffentliche Feiern und Veranstaltungen selbst auszurichten und Interessenten auf einer persönlichen Ebene anzusprechen.

Auch der oben erwähnte Verkauf von Produktionsüberschüssen könnte öffentlichkeitswirksam inszeniert werden.

Ethik

Im Allgemeinen sollte sich der Verein ein nachhaltiges und langfristiges Denken und Handeln zu eigen machen. Als weitere ethische Grundsätze für den Verein wurden folgende Punkte herausgehoben:

  • Fairness und Solidarität gegenüber Mitgliedern und Mitarbeitern,
  • Toleranz,
  • Verbindlichkeit,
  • verantwortungsvoller Umgang miteinander, mit Pflanzen und Tieren und dem Besitz des Vereins,
  • Akzeptanz der Satzung und der Beschlüsse des Aktivenkreises,
  • Transparenz,
  • möglichst geringe Eingriffe in natürliche Abläufe,
  • Sicherung des Weiterbestands alter, samenfester Sorten und Arten sowie
  • ein Vorrang von Geschmack gegenüber Ertrag und Transportfähigkeit bei allen erzeugten Lebensmitteln.

Wünsche

Als Abschluss folgt noch eine Aufzählung aller geäußerten und von einer Mehrheit der Anwesenden unterstützten spezifischen Wünsche, was wohl einem „Wunschzettel“ sehr nahe kommt:

  • Lehmofen zum Backen,
  • Bienenstöcke für die Honigproduktion,
  • Hühner für die Eierproduktion,
  • Ententeich in der Mitte des Ackers zur natürlichen Schneckenbekämpfung,
  • Kompost,
  • Blumen am Feldrain (Randstreifen des Feldes) zum Selbstpflücken,
  • ein Vereinsheim mit leistungsfähiger Küche zum Einkochen usw.,
  • Nussbäume,
  • Anlegen von Permakulturen, wodurch der Boden geschont wird sowie
  • ein entspanntes und stressfreies Arbeiten.